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Wolfgang Reuss

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Nach langen Vorstudien entschied sich Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) für einen neogotischen Entwurf für die Kirche am Friedrichswerderschen Markt, die 1824-30, also etwa gleichzeitig mit dem Alten Museum, an der Stelle des baufälligen Vorgängerbaus von 1700 errichtet wurde. Die Kirche ist die erste neogotische Kirche in Berlin, ein Meisterwerk Schinkels, nach dem Vorbild einschiffiger englischer chapels.

Der nord-süd-gerichtete, fünfjochige, einschiffige Kirchenbau mit einem Chor mit polygonalem 5/8-Schluß zeigt nach Süden zum Markt eine mächtige, kubische Doppelturmfront. Die Kirche ist als ziegelsichtiger Backsteinbau errichtet worden. Die Strebepfeiler, die erforderlich sind, um die Schubkräfte der Rippengewölbe aufzunehmen, sind ins Innere der Kirche gezogen, sie sind zu ebener Erde und auf der Emporenebene durch Durchgänge durchbrochen und ermöglichen auf beiden Ebenen einen Umgang um das Kirchenschiff. Zwischen den Strebepfeilern öffnen sich breite und sehr hohe, spitzbogige Maßwerkfenster nach Osten und Westen und lassen Morgen- und Abendlicht in die Kirche einfallen. Die außen nur flach vortretenden Strebepfeiler enden in Fialen, die das flachgeneigte Dach hinter einer Balustrade überragen. Die nach Norden orientierten Chorfenster sind sehr viel schmaler. Nach Süden öffnen sich zwischen den beiden Türmen ein Doppelportal und darüber ein breites spitzbogiges Maßwerkfenster. Das Doppelportal zeigt gußeiserne Flügeltüren mit den Engelstondi nach Modellen von Christian Friedrich Tieck (1776-1851) und über dem Doppelportal die Keramikfigur des Erzengels Michael von Ludwig Wilhelm Wichmann (1788-1859) in einer Nachbildung.

Die Friedrichswerdersche Kirche wurde im Krieg schwer beschädigt und 1982-87 vom Institut für Denkmalpflege der DDR wiederhergestellt. Nach 1990 wurde in der Kirche die Sammlung „Skulpturen des Klassizismus“ der Staatlichen Museen zu Berlin ausgestellt. Durch die unmittelbar benachbarte überdimensionierte

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